Halbtagesfahrt nach Reutlingen

Böblinger Museumsfreundinnen und -freunde im Innenhof des Reutlinger Heimatmuseums (ehem. Königsbronner Klosterhof) (Foto: Schild)

27. September:

 

Zu Kunst, Kultur und Geschichte in Reutlingen

 

Bei sonnigem Herbstwetter besuchten die Museumsfreunde Böblingen e.V. die ehemalige freie Reichsstadt Reutlingen. Der anderthalbstündige Stadtrundgang unter fachkundiger Leitung führte zu markanten Monumenten der Stadt. Genannt seien vor allem die Marienkirche, das Hospital, der Zunftbrunnen, Reste der Stadtmauer, Türme und Stadttore, die ehemalige Klosteranlage des Heimatmuseums, und natürlich die laut Guiness-Buch mit knapp über 30 cm „engste Straße der Welt“. Nebenbei wurden viele bedeutende historische Ereignisse gestreift. Das gesamte Mittelalter ist geprägt durch den Gegensatz zwischen Württemberg mit seiner Burg auf der Achalm und dem selbstbewussten städtischen Zunftregiment. Dies zeigte sich auch in der Reformationszeit. 1530 unterzeichnet Reutlingen als einzige Reichsstadt neben Nürnberg das protestantische Glaubensbekenntnis. Die vordemokratischen Strukturen der Stadt mögen auch nach dem Anschluss an Württemberg (1802) den Ruf Reutlingens als „radikale“ Stadt befördert haben. Bekannteste Vertreter des freien Geistes waren der Schriftsteller und Redakteur Hermann Kurz sowie der Nationalökonom, Eisenbahnpionier und Landtagsabgeordnete Friedrich List. Beide durften eine Zeitang Württemberg vom Hohenasperg aus betrachten.

 

Nach der verdienten Erholungspause auf dem Marktplatz begaben sich die Teilnehmenden zu weiteren Führungen. Zur Auswahl standen das Heimatmuseum oder das Kunstmuseum im mittlalterlichen Spendhaus. Im Heimatmuseum konnten anhand der Exponate die Kenntnisse über die Stadtgeschichte bis in die Kriegs- und Nachkriegszeit weiter vertieft werden. Der Original-Luftschutzkeller des Gebäudes weckte schlimme Erinnerungen. An die Zeit des Ersten Weltkrieges erinnerte die Sonderausstellung „Walter Kleinfeldt, Fotografien von der Front 1915-18“. Das Spendhaus präsentiert einen großen Bestand an Werken von HAP Grieshaber, aber auch regelmäßige Wechselausstellungen, zur Zeit den Beuys-Schüler Felix Droese zum Thema „Geld oder Leben“.

 

Nach so viel Kunst, Kultur und Geschichte genossen alle während des Abendessens die gemütliche Atmosphäre im Gasthof „Alte Mühle“. Wer wollte, konnte auch noch einen kurzen Spaziergang entlang der romantischen Echaz machen.

 

Die Heimfahrt wartete mit einer überraschenden Zugabe auf. Ein kleiner Umweg führte über den Stadtteil Betzingen mit dem denkmalgeschützten Gmindersdorf. Noch heute beeindrucken die kurz nach 1900 vom Architekten Theodor Fischer errichteten schmucken Wohngebäude und großzügigen Gärten der ehemaligen Arbeitersiedlung der Firma, die sich durch „Gminder-Halblinnen“ weltweite Anerkennung erworben hatte.

 

Sigrid+Peter Schild