Bericht zur Zweitagesfahrt ins Frankenland

By 2 Juli, 2026Juli 9th, 2026Exkursion

Wohlauf die Luft ist frisch und rein, wer lange sitzt muss rosten !
Den allerschönsten Sonnenschein lässt uns der Himmel kosten…

Mit dieser ersten Strophe des Frankenlieds könnte man auch unsere Fahrt überschreiben, die nach einer Kaffeepause auf der Würzburger Raststätte, Coburg als erstes Ziel hatte.

Urkundlich 1056 erstmals erwähnt, wurden Handel und Stadtentwicklung in Coburg durch die Furt durch die Itz und die Kreuzung zweier Fernhandelsstraßen begünstigt.

Auf dem Marktplatz in Coburg, Foto: SH Pöllmann

Wir betraten die Altstadt durch das Ketschentor, das die befestigte und trocken liegende historische Innenstadt von der bei Regen morastigen Umgebung trennte und standen bald vor einem der ältesten Fachwerkhäuser Deutschlands, dem Münzmeisterhaus. Dass es zwischenzeitlich verputzt war, erkennt man an den vielen kleinen Kerben im Holz.

Das zweite noch erhaltene Tor zur Stadt, das Judentor, stammt aus dem 13. Jahrhundert und grenzt an die z.T. noch erhaltene Stadtmauer.
Der mittelalterliche Grundriß der Stadt soll sich an den von Jerusalem anlehnen:
Zwei sich in der Stadtmitte kreuzende Straßen , die zu den vier Eingangstoren in der die Stadt umkreisenden Stadtmauer führten. Etliche jüdische Familien lebten über die Stadt verteilt. Da sie sich keine Häuser bauen durften, lebten sie zur Miete. Viele waren Händler (Hopfen, Vieh etc.) und trugen deutlich zum Wohlstand der Stadt bei und waren bald in der Lage finanzielle Hilfe zu leisten. Von Dauer war dieses Miteinander bekanntlich nicht – weder im ausgehenden Mittelalter noch später.

Am Rand der Altstadt stehen sich am Schlossplatz das Hoftheater und die Residenz Ehrenburg gegen-über. Mauritius dem Stadtheiligen und einst siegreichen Feldherrn ist die Morizkirche geweiht. Er ziert das  Stadtwappen wie  auch jeden Kanaldeckel.

Heute macht die HUK-Versicherung die einstige Residenzstadt, die zwischenzeitlich auch einmal verarmt war, wohlhabend.  Coburg hat ein originelles Interims-Theatergebäude und kann sich ein Drei-Spartenhaus leisten.

Hoch über der Stadt thront die Veste als eine der größten Befestigungsanlagen Deutschlands. Der einst  hier residierende Adel hatte enge Verwandtschaftsbande zum Hochadel, dem   Haus Windsor als auch zu den  Romanows. So sind dort die Innenräume reich ausgestattet: viele Gemälde von Lukas Cranach (aus Kronach – der Nachbarstadt) , der mit Luther befreundet war und ihn z.B.  mehrmals porträtierte. Jagdzimmer mit wunderbaren Wandschnitzereien, Gläsersammlung, Waffen, etc.
In einer Stube hängen etliche Pavesen, auch Setzschilde genannt. Sie konnten vor den Kämpfer gestellt werden während er geschützt seine Armbrust nachspannte. Wir erfuhren auch, dass eine Stube ein Raum ist, dessen Ofen vom Flur aus beschickt wird – was für ein gesünderes Raumklima sorgte.
So standen wir auch in den Lutherstuben – die Luther während des Augsburger Reichstags fünf Monate lang  bewohnte. Da unter Reichsacht stehend,  lebte er hier durch Kurfürst Friedrich den Weisen geschützt und war am Augsburg nächstgelegenen, Ort um mit dem Reichstag schneller korrespondieren zu können.
Hier ist auch sein  fast 1000 Jahre altes, unversehrtes Hedwigsglas ausgestellt, das nachweislich im Besitz der Hl. Elisabeth von Thüringen war.
Als Alleinstellungsmerkmal leistet sich Coburg die veränderte Orthographie in Veste  und Moriz.

( Link zu einem Beitrag über das jüdische Leben in Coburg: https://youtu.be/bRDclw7Dl_Y )

Nach einer Kaffeepause auf der Terrasse der Burgschänke, ging es in den „fränkischen Gottesgarten“. Vorbei am Staffelberg, wo einst ein keltisches Oppidum stand, zur Wallfahrtskirche  Vierzehnheiligen. Hier hatte ein Schäfer im 15. Jhd immer an der gleichen Stelle mehrmals Erscheinungen. Auch von 14 Nothelfern. Und genau dieser Ackerfleck liegt im Zentrum des runden Gnadenaltars des Gotteshauses. Die endgültige geniale Planung der Basilika stammt vom Erbauer der Würzburger Residenz: Balthasar Neumann. Bei Sonne strahlt die aus gelben Sandstein erbaute Kirche über das umliegende Land (ähnlich wie die Birnau über den Bodensee).
Ein kurzes Gewitter zwang uns, die Einführung im Bus zu hören.
Danach war die Besichtigung der letzten Barock-Basilika möglich.
Die 14 Heiligen bzw. Nothelfer (zumeist Märtyrer) decken mit ihrem Schutzpotential quasi alle Unbillen der Zeit ab dem 14.Jhd., als der Kult entstand, ab. Wie eine Allroundversicherung. Auslöser der Anrufungen waren u.a. die damaligen verheerenden Pestwellen, gegen die es im Gegensatz zu heute kein Antibiotikum gab. Man hat sicherheitshalber immer alle 14 gemeinsam angerufen.

In der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen, Foto: SH Pöllmann

Nach einer kurzen Anfahrt kam Bamberg in Sicht. Am deutlichsten sahen wir den Domberg, der sich über den beiden anderen Stadtteilen Inselstadt (zwischen den beiden Regnitzarmen) und Gärtnerstadt erhebt.
Wir bezogen das Hotel am Kanal und hatten nicht mehr weit zum ältesten
Brauhaus Bambergs dem „Sternla‘‘; der Biergarten war wohl auch auf Grund der vielen hier lebenden Studenten trotz Mittwochabend sehr gut besucht.

Mit einem Frühstück gestärkt, das keine Wünsche offenließ, die Koffer wieder im Bus verstaut, ging es per pedes oder Taxi zum Dom. Unsere Regenschirme hatten wir heute nur als Talisman dabei!

Grablege Heinrich und Kunigunde im Bamberger Dom, Foto: SH Pöllmann

Vor dem Dom erwarteten uns schon unsere beiden FührerInnen, die uns den Dom und die gegenüberliegende bischöfliche Residenz mit Staatsbibilothek zuerst von außen betrachten liessen. Wir erkannten die aus statischen Gründen wieder zugemauerten Seitenfenster in der Höhe, die große gotische Rosette und die vier Türme. Vier Türme brauchte der Dom um sich auch äußerlich von den vielen anderen Kirchen abzuheben.

Durch die Adamspforte betraten wir den romanisch-gotischen Bau der nach einer für uns unfasslich kurzen Bauzeit von nur 40 Jahren im 13. Jhd. fertiggestellt wurde. Er war damals wie alle gotischen Kirchen bunt bemalt. Schließlich waren die meisten Gläubigen Analphabeten und konnten so wenigstens teilweise die Hl. Schrift und Kirchengeschichte „ lesen‘‘. In der Barockzeit entfernte man 12 Farbschichten und barockisierte den Dom. Das gefiel Ludwig I. im 19. Jhd. nicht mehr und der Dom erhielt die heutige schlichte Ausgestaltung.

Im linken Seitenschiff steht ein Schnitz-Altar von Veit Stoß (in Horb geboren aber v.a. in Nürnberg wirkend), der von der Sonne angestrahlt noch plastischer wirkte.

Starr mit einem Seitenpfeiler verbunden, schauten wir zum berühmten Bamberger Reiter hoch, dem ersten lebensgroßen Reiterstandbild nördlich der Alpen. Es ist eine Sandsteinskulptur um 1230, die möglicherweise König Stephan I. von Ungarn darstellt.

Vor der Empore im Westen liegen die Stifter und Gründer des Bistums, die als einzige Kaiser heilig gesprochen wurden: Kunigunde und Heinrich II. Die Deckplatte des Sarkophags schuf Tilmann Riemenschneider um 1500.
Die beiden waren kinderlos – was Heinrich voraussah (chron. Nierensteinleiden, „lendenlahm‘‘ ?) und sich deshalb in Bamberg mit Bistumsgründung und Dom ein die Zeiten überdauerndes Denkmal setzte. Er wußte: Herrscher ohne Nachkommen waren in der Geschichte oftmals nur eine Fußnote. Nun ist aus seiner Stiftung, der hochherrschaftlichen Bergstadt, wie auch den (nicht nur symbolisch) darunter angesiedelten Stadtteilen der Untertanen sogar ein Weltkulturerbe geworden – und ein Touristenmagnet.

Kaisermäntel im Bamberger Diözesanmuseum, Ausschnitte. Fotos: Anna Habel-Pöllmann

Ein weiteres Highlight: das Diözesanmuseum mit den phantastisch erhaltenen Kaisermänteln. Wie gut, dass man als Trägerstoff für den Sternenmantel die länger haltbare Seide wählte! Ursprünglich purpur-violett wurden die einzigartigen goldenen Stickereien bei der Restauration im 15. Jhd. auf blaue Seide genäht.
Auch die anderen ausgestellten Mäntel aus dem 11.Jhd. sind ein einzigartiges Kulturgut!
Papst Clemens II. wurde  im Dom beigesetzt. Eine Kopie des Sarkophags wurde uns hier gezeigt. Sein gut erhaltenes Ornat,hat auf dem inneren Holzsarg, von allen Umwelteinflüssen im Sarkophag geschützt, die Jahrhunderte wunderbar überdauert.

Das  600 kg schwere goldene Domkreuz wird alljährlich von 18 Männern an Fronleichnam in einer spektakulären Prozession durch die engen Altstadtstraßen getragen. Die Bamberger Fronleichnams-prozession schafft es meist in die Tagesschau – ist es doch nicht nur pittoresk sondern für uns heute auch eher ungewöhnlich, dass ganze Altäre geschultert werden.

Vom Museum ging es auf Kopfsteinpflaster und verkehrsberuhigt hinunter durch das alte Rathaus auf der Brücke. Der Bischof wollte den Bürgern kein Grundstück für ein Rathaus geben (ihre erstarkende Macht fürchtend) – so setzten sie es kurzerhand auf/über den Fluß, der niemandem gehört.
Am Markt, der hier täglich stattfindet , und an vielen barockisierten Bürgerhäusern vorbei, über die Regnitz mit Wehren und Plätzen für die unzähligen früheren Mühlen, die auch den Reichtum einer Stadt ausmachten, gelangten wir schließlich in eine der ersten Braustuben Bambergs. Hier kann man auch das berühmte Rauchbier (die Gerste wird zuerst geräuchert) kosten, das aber nicht jedermanns Geschmack ist.
Vorerst zum letzten Mal fränkisch, würzige Küche in der „Brauerei Spezial“..

Der 3. Stadtteil – auch unter Welterbeschutz stehend, ist hier unser letztes Ziel: die Gärtnerstadt mit dem Gärtner- und Häckermuseum.
Einzigartig im süddeutschen Raum, widmet es sich dem gewerblichen innerstädtischen Leben der Gemüse- und Weingärtner, ihrer Kultur und ihrer Geschichte. Häcker ist fränkisch und bedeutet Winzer.
Hier ist das Haus einer Gärtnerfamilie typisch eingerichtet – als Wohnhaus, aber auch mit allen Gerätschaften aus der vormaschinellen Zeit um 1900.
Genial und immer noch für das Museum hergestellt: das Beggfreedla, eine Art Hacke mit deren scharfgeschmiedeter Klinge schnell die Unkrautwurzeln abgeschnitten und gleichzeitig auf der Erde die  oberflächlichen Kapillaren zerstört werden. Der Boden trocknet nicht so schnell aus und die Kleinstlebewesen des Bodens  werden  nicht gestört.
Hinter dem Haus: ein vorbildlich angelegter Gemüsegarten mit Mischkulturen. Der jahrhunderte alte Gartenboden lässt jeden Hobbygärtner vor Neid erblassen: Die Gärtner profitierten früher von den nahegelegenen Stallungen der Kavallerie und damit von den Hinterlassenschaften der Rösser.
Die meisten von uns  sahen sicher zum ersten Mal, wie Süßholz wächst. Neben leicht zu transportierenden Sämereien war Süßholz früher ein hochgeschätzter Bamberger Exportartikel. Noch heute ist in vielen Hustenmedikamenten Süßholzwurzel enthalten.

Alle hatten nun gehörig Kaffeedurst, der nach  kurzer Fahrt im Gartenkaffee von Schloss Seehof gestillt werden konnte.
Das viertürmige, quadratisch angelegte Schloss der Fürstbischöfe wurde im 18. Jhd. fertiggestellt.
Auch eine Brunnenanlage mit Wasserkaskaden gehört dazu, die alle zum Abschluss mit ihren Wasserspielen im Sonnenschein begeisterte.

Nach einer kurzen Sektpause auf der Raststätte mit Blick auf Würzburg, kamen wir angeregt und von vielfältigen Eindrücken erfüllt wieder wohlbehalten in Böblingen an.

Vor dem Schloss Seehof, Foto: Dieter Wowra

Anna Habel-Pöllmann