
Mit 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ging es gut gelaunt und erwartungsvoll in einer fast pünktlichen S1 auf den Weg nach Kirchheim. Leider entsprachen die tatsächlichen Temperaturen nicht den angekündigten, doch der eisige Wind konnte die Stimmung nicht stören.
Wir trafen pünktlich am Max-Eyth-Haus ein, wo wir schon von unserem Stadtführer Herrn Schallenmüller erwartet wurden. Der weltweit erfolgreiche Ingenieur und Dichter Max Eyth wurde 1836 in diesem Haus geboren, das von 1540 bis 1909 als Lateinschule diente. Es war eines der wenigen Gebäude, die den großen Stadtbrand von 1690 überstanden, wie wir später erfuhren. Heute befinden sich hier die Tourist Info und das Literarische Museum.
Die spätgotische Martinskirche, eine dreischiffige Basilika, geht auf eine romanische Kirche zurück. Hier liegt auch Franziska von Hohenheim, die im Kirchheimer Schloss ihren Witwensitz hatte, begraben. Besonders beeindruckend waren die gelungenen Renovierungsarbeiten, die erst vor kurzem beendet wurden.
In der Brandgasse berichtete unser Führer sehr anschaulich von dem verheerenden Stadtbrand im Jahr 1690, bei dem fast alle Häuser und Stallungen zerstört wurden. Der schnelle Wiederaufbau damals war nur möglich durch solidarische Hilfsaktionen in ganz Württemberg. Auf dem von Fachwerkhäusern umgebenen Marktplatz findet dreimal in der Woche ein bedeutender Markt für die Region statt, so auch an diesem Samstag, an dem reges Treiben herrschte.
Das Renaissance Schloss mit der Bastion wurde als Festungsba u im 16. Jahrhundert von den Herzögen von Württemberg errichtet. Hier ging unser Stadtführer auf den Bauernkrieg im April 1525 ein, als Bauernhaufen die Stadt für einige Tage besetzten und schließlich die Burg Teck niederbrannten.
Im ehemalige Gasthaus Krone am Burggraben, heute ein ziemlich heruntergekommenes Gebäude, verliebte sich Hermann Hesse in die junge Julia Hellmann, mit der er zeitlebens einen Briefwechsel unterhielt und die ihn zu seiner frühen Erzählung „Lulu – ein Jugenderlebnis“ inspirierte.
An dieser Stelle musste unser Stadtführer etwas vorzeitig seine Führung beenden, da wir um 13:15 Uhr zum Mittagessen im Alten Forstamt erwartet worden. Auch dieses Gebäude, ein schöner Fachwerkbau am Schlossplatz, wurde nach dem Stadtbrand neu errichtet.
Nach einem sehr guten Mittagessen hatten sich alle wieder aufgewärmt und waren bereit, die Stadt auf eigene Faust zu entdecken. Um 15.30 Uhr konnte man die leckeren Kuchen im Hofcafé genießen, bevor es zum Bahnhof zurückging und wir wieder pünktlich um 16.50 Uhr mit der S1 ohne Störungen nach Böblingen fuhren.
Ein gelungener Tag mit neuen Eindrücken, angenehmen Gesprächen und mit einigen neuen Mitgliedern, was den Verein der Museumsfreunde besonders freuen dürfte.
Marianne Schenek-Freier


